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High Fashion oder Haute Couture, Alta Moda oder Designermode – wer sich in der Modewelt auskennt weiß, dass es nur ganz wenige Marken auf der Welt gibt, die echte Haute Couture produzieren. Bis zu 6500 Stunden Arbeit stecken in einer aufwendigen Haute Couture Robe, an der alles handgefertigt ist. „Einfache“ Kleider verlangen lediglich nach 100 bis 150 Stunden Nähkunst. Was bedeutet „Haute Couture“, welche Designer produzieren sie und warum ist der Haute-Couture-Walk so besonders? Der Beitrag gibt Einblicke.

Maßgeschneiderte Einzelstücke der Haute Couture sind künstlerische Meisterwerke.

Was ist Haute Couture?

Wörtlich übersetzt bedeutet Haute Couture so viel wie „gehobene Schneiderei“. Das in Paris ansässige Chambre Syndicale de la Haute Couture, heute als „Fédération de la Haute Couture et de la Mode“ (FHCM) bekannt, schuf diesen Begriff 1908.

Als eigentlicher Gründer der Haute Couture wird Charles Frederick Worth gehandelt, der bereits 1857 das erste Modehaus der Welt eröffnete. Er wurde nicht länger als Handwerker, sondern als Künstler betrachtet. Dabei verfolgte er ein bestimmtes Konzept: Er hatte das Ziel seine Kleidungsstücke an eine enge Auswahl von Menschen innerhalb der obersten Zehntausend zu verkaufen. Nach diesem Prinzip läuft es in der Haute Couture auch heute noch: Aufwendig gearbeitete Kreationen, die exklusiv auf Maß geschneidert werden, kommen als Unikate auf den Laufsteg. Diese Mode können sich nur sehr wenige Kundinnen auf der Welt leisten.

Diese Prädikate zeichnen Haute Couture aus

Haute Couture wird zweimal jährlich von ausgewählten Marken und Designern in Rahmen von Fashionshows präsentiert. Allerdings braucht es besondere Merkmale, damit eine Kollektion das begehrte Label Haute Couture erhält. Der Modeverband FHCM hat dafür einen Kriterienkatalog aufgestellt. Die wichtigsten Kriterien sind, dass das Unternehmen einen Fertigungsstandort in der Modemetropole Paris nutzt und zweimal jährlich eine Kollektion mit maßgeschneiderten und handgefertigten Einzelstücken präsentiert.

Die Kollektionen sind aufgrund der erlesenen Stoffe und der aufwändigen Handarbeit sehr wertvoll Schätzungen zufolge gibt es lediglich rund 4000 Kundinnen weltweit, die den Erhalt der Haute Couture überhaupt ermöglichen. Sie sind in der Lage, Geld für so kostspielige Kunstwerke auszugeben.

Wer macht heute Haute Couture?

Die Bezeichnung Haute Couture ist in Frankreich juristisch geschützt und wird von der FHCM an Modehäuser verliehen, die die oben genannten Kriterien erfüllen. Die Unternehmen müssen sich jedes Jahr neu bewerben und es gibt auf den Laufstegen immer wieder neue Einflüsse und Ideen zu sehen, die die Modenschauen der Haute Couture so mitreißen, spannend und spektakulär machen. Im Januar 2021 standen 32 Couture-Häuser im offiziellen Kalender des FHCM. Darunter befanden sich die folgenden Debütanten:

  • Sterling Ruby
  • Kim Jones
  • AZ Factory

Zu den bekannten Mega-Modelabels, die jedes Jahr die Laufstege prägen, gehören unter anderem diese:

  • Dior
  • Chanel
  • Valentino
  • Giorgio Armani Privé

Auch coole Avantgardist:innen sind vertreten, die die Gäste:Gästinnen in Erstaunen versetzen:

  • Iris van Herpen
  • Julie De Libran
  • Charles de Vilmorin
Up to date: Highlights der Paris Fashion Week im März 2021

Die Paris Fashion Week stellt den Abschluss des Show-Marathons der Haute Couture dar und ist dieses Jahr vorwiegend digital abgelaufen. Video Streams und Bilderserien ersetzten die Live-Veranstaltungen. Nichtsdestoweniger überzeugen die Designer:innen mit glamourösen Looks, lässiger Eleganz und moderner Globalität. Das zeigten Debütanten, Mega-Modelabels und großartige Avantgardisten.

Debütant Sterling Ruby

Sterling Ruby bringt kalifornische Couture auf die Catwalks in Paris. Seine Models waren in wallende Einteiler gewandet, deren Pilgerkragen und Hauben aus der Zeit gefallen zu sein schienen. Skater-Hosen, Business-Anzüge und Arbeitskleidung aus selbst designten Stoffen waren zu fast gespenstischen Formen verarbeitet. Halbtransparent, mit langen Fransen und ungewöhnlichen Texturen wirkten die Models fast schon sphärisch. Ein besonderes Accessoire hatte es den Beobachtern besonders angetan: Große, kastige Handtaschen, die an einen Werkzeugkoffer erinnerten, begleitete die Models auf Schritt und Tritt.

Dior hat rund 5.000 Filialen Weltweit. In Paris liegt der Hauptsitz.

Mega-Modelabel Dior

Die Kollektion von Dior reduzierte die Farbwelt auf helle und dunkle Blautöne. Wie in einer Unterwasserwelt schwebten die Models über den Laufsteg. Eleganz stand hier ganz oben auf der Karte. Nachtblau, Dunkelgrau und Schwarz kombiniert mit streng geschnittenen Kragenlösungen zu Lochstickerei ließen Erinnerungen auf längst vergangene Zeiten aufkommen. Kombiniert wurden hohe Stiefel, Jeans in Oversized-Schnitten sowie Mäntel in klassischer Linienführung und kurze Jacken.

Avantgardist Charles de Vilmorin

Üppige Patchwork-Jacken mit voluminösen Stoffen, verspielte Silhouetten, weite Röcke und Federn am Kleidersaum sind Merkmale, die typisch für Vilmorin-Mode sind. Handbemalte Textilien, die farbenprächtige Blumen, Schmetterlinge, Herzen, Streifen und andere grafische Muster zeigen, sind für Männer wie Frauen tragbar. Vilmorins Maxime lautet: Es braucht keinen besonderen Anlass, um besondere Kleidung zu tragen!

Der Haut Couture Walk: Das müssen Models wissen

Models wie Anja Kallenbach oder Nadine Berneis wissen es natürlich: Modenschauen werden generell in zwei verschiedenen Laufstegstilen präsentiert. Ihre Ausprägung hängt davon ab, was der Choreograf vorsieht. Es gibt den Pret-à-Porter Walk, der auch Casual Walk genannt wird. Hier geht es um locker leichte Walks, bei denen Models insgesamt lebhaft und lebendig, motivierend und freundlich auftreten dürfen. Am Ende des Catwalks wird geposed, das Modell nimmt Blickkontakt zum Publikum auf, darf sogar Lächeln, zwinkern, flirten oder ein Luftkuss in die Menge werfen.

Der Haute-Couture-Walk hingegen wird als Fashion- oder Design-Walk bezeichnet, bei dem die Mode im Mittelpunkt steht und nicht das Model. Model treten entsprechend zurückhaltend auf und lenken mit keiner Geste, keinem Blick und keiner Mimik von der präsentierten Kleidung ab. Es geht allein um die Outfits. Weder Blickkontakt noch Lächeln oder motivierende Gesten sind gewünscht. Model halten den Oberkörper möglichst gerade und bewegen ihn nicht. Damit ist der Haute-Couture-Walk das Gegenteil vom Pret-à-Porter Walk.

Die Karten der Haut-Couture-Shows sind heiß begehrt. Wer hier in der ersten Reihe sitzt, erlebt exklusive Mode hautnah.

Designer geben den Stil vor

Die Präsentation von Haut Couture ist allerdings individuell durch den:die Designer:in geprägt. Unabhängig von den prägenden Merkmalen eines Haute-Couture-Walks, drückt sich jede:r Designer:in über die Frisuren und das Make-up aus. Hinzu kommen spezifische Einzelheiten der Kleidung, die einen Haute-Couture-Walk trotz der klaren Regeln zu etwas Einzigartigem machen. So müssen Models stets dafür sorgen, dass ein Kleid im besten Licht präsentiert und in allen Einzelheiten für Betrachter erlebbar wird. Eine weit schwingende Robe mit voluminösen Stoffbahnen ist deshalb anders zu präsentieren – beispielsweise durch eine entsprechende Armbewegung – als ein enganliegendes Minikleid aus metallischen Elementen. Bei Castings und beim Fitting sowie bei Probewalks in Vorbereitung auf die Fashion Show bekommen Models konkrete Anweisungen, wie sie sich zu bewegen haben. So wird jede Haute Couture Show zu einer aufsehenerregenden Veranstaltung.

 

 

Abbildung 1: Foto von Michael Burrows von Pexels

Abbildung 2: Foto von Pixabay von Pexels 

Abbildung 3: pixabay.com © ErikaB (CC0 Creative Commons)

Abbildung 4: Foto von Flaunter von Unsplash

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