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Eine reflektierte Einschätzung (inkl. Facebook-Stellungnahme)

„Wenn du das Produkt nicht bezahlst, bist du das Produkt.“ Stimmt das?

Viel wurde diskutiert über das Doku-Drama „Das Dilemma mit den sozialen Medien“. Wir wollen einen ausgewogenen Blick wagen und versuchen, eine differenzierte Einschätzung zu den Inhalten und der Darstellungsweise des Netflix-Original zu geben.  

Für die Einschätzung fangen wir mit der Definition eines „Dilemmas“ an: 

„Zwangslage, Situation, in der sich jemand befindet, besonders wenn er zwischen zwei in gleicher Weise schwierigen oder unangenehmen Dingen wählen soll oder muss.“ 

– Duden 2020

Nun denn. Ein „Dilemma“ ist also eine Zwangslage, in der sich jemand befindet, weil sie oder er zwischen zwei Dingen entscheiden muss. Dessen bewusst, widmen wir uns der Thematik des Films. Unsere persönliche Einordnung dazu findet ihr am Ende des Textes.

Was sind Medien eigentlich?

Medien sind mittlerweile Teil unserer persönlichen Geschichte. Die historische Entwicklung der Medien ist, im Vergleich zur allgemeinen menschlichen Geschichte – bei Adam und Eva angefangen – relativ kurz und hat dennoch einen enormen Einfluss auf uns und unser alltägliches Leben genommen. Angefangen mit dem Wort Medium, das sich aus dem Lateinischen mit dem Wort „Mitte“ ableiten lässt, können Medien demnach als Mitte unserer Kommunikation angesehen werden. Diese Medien und insbesondere Massenmedien prägen uns in unserem Denken und Handeln. Seit einigen Jahren zählen nun auch die sozialen Medien dazu. Sie begleiten uns in unserem Alltag und verknüpfen Menschen untereinander, denn anhand der sozialen Medien können wir unsere „Community“ erreichen. In diesem Zuge sollte man immer über beide Seiten der Medaille informiert sein, denn nicht alle wissen über unsere liebsten Alltagsbegleiter im Detail Bescheid und sind sich über die tatsächlichen Chancen wie aber auch mögliche Risiken bewusst.

Nun zum Film.

In einem 1 ½ -stündigen Doku-Drama, welche auf dem Streamingportal Netflix zu finden ist, hinterfragt Jeff Orlowskis mit „The Social Dilemma“ (deutsch: „Das Dilemma mit den sozialen Medien“) eben jene neue, soziale Medien. Inhaltlich setzt sich die „Dokumentation“ mit den Risiken und Nebenwirkungen der sozialen Medien auseinander und ergründet im Interview mit verschiedenen Experten des Silicon Valleys die (vor allem negativen) Seiten der sozialen Medien. Die einstigen Manager bei Google, Twitter, Instagram, Facebook und Co. kreierten diese Plattformen, wirkten an der Entwicklung des Like-Buttons mit oder gestalteten werbefinanzierte Geschäftsmodelle. Nun aber stellen die Aussteiger der Branche eben genau jene Produkte, an denen sie unmittelbar mitgewirkt haben, in Frage und warnen sogar eindringlich vor den Gefahren, welche sie erschaffen haben. Es herrscht ein Konsens darüber, was der eigentliche Kern dieser Plattformen ist. Es sei die Schaltung von Werbung sowie die Erfassung von persönlichen Daten der Nutzerinnen und Nutzer. Die Plattformen profitieren vor allem finanziell mithilfe der Daten, die gesammelt werden – so der O-Ton des Filmes.

Inszenierte Dystopie.

Untermauert werden die Aussagen der Interviewpartner anhand einer fiktiven Story: ein amerikanischer Teenager, der mit den Nebenwirkungen und Einflüssen der sozialen Medien zu kämpfen hat. Von den sozialen Medien immer weitergetrieben, schärft sich der Algorithmus betreffend der Inhalte, die den Teenager erreichen und so verändert sich sukzessive auch die Haltung und das Verhalten des Teenagers. Eine Veränderung in der Psyche aufgrund des Medienkonsums ist während der Reportage zu verzeichnen. Die Agenda des amerikanischen Heranwachsenden wird in Sachen Politik so weit manipuliert, dass sich am Ende eine extreme politische Positionierung abzeichnet.

Folgen personalisierter News-Feeds.

Und das beschreiben die ehemaligen Mitarbeiter von Google, Twitter, Instagram, Facebook und Co. als Krux: Die Agenda sowie das Denken und Handeln von Individuen kann von den Algorithmen in vielerlei Hinsicht manipuliert werden – sei es hinsichtlich der politischen Haltung, der gesellschaftlichen Anpassung oder aber der psychische Belastung.

„The idea that … teens would be getting depressed when they don’t have enough likes … was nowhere on our radar,“

– Justin Rosenstein, former Google engineer and the co-creator of the „Like“ button

Die Filterbubbles der Menschen untereinander unterscheiden sich und bestimmen das, was dem Betrachter ausgespielt wird. Als Informationsquelle Nummer 1 haben die sozialen Medien, nach Aussage der Reportage, einen unmittelbaren Einfluss darauf, wie wir unsere Meinung bilden und vor allem worüber.

Auch die Sucht, die mit den sozialen Medien einhergehen kann, wird intensiv beleuchtet. Eine solche Sucht wird auch beim Teenager der Reportage deutlich und stellt einen Nachteil der sozialen Medien in den Vordergrund. Im Interview erzählen die ehemaligen Mitarbeiter der Plattformen daraufhin, inwieweit sie die Netzwerke aufgebaut haben, damit überhaupt ein Einfluss auf die Psyche genommen werden kann. Dies geschieht mit einer Art Belohnungssystem wie durch eine antrainierte Fingerbewegung, um den Feed auf den neuesten Stand zu bringen, wird der Nutzer mit neuen Inhalten belohnt – dies nennt sich persuasives Design.

„It’s the gradual, slight, imperceptible change in our own behaviour and perception that is the product.“

– Jaron Lenier, author of „10 Reasons for Deleting Your Social Media“

Der Grat zwischen bewusstem und reguliertem Konsum der sozialen Medien und einer Suchtgefahr ist sehr schmal. Selbstdisziplin ist hier ein großer Faktor, um die Wahrscheinlichkeit einer Sucht zu minimieren.

Die zwei Seiten der Medaille. Das eigentliche Dilemma.

Innerhalb der Netflix-Reportage werden primär die negativen Seiten der sozialen Medien in den Vordergrund gestellt. Der Film zeigt eine inszenierte Dystopie und beleuchtet vor allem die eine Seite der Medaille. Das Dilemma besteht in der Entscheidung zwischen zwei Optionen. Natürlich gibt es, wie überall auf der Welt, positive wie auch negative Optionen. Man muss sich eben seine eigene Meinung bilden. Genau das möchte uns auch dieser Film vermitteln, doch zeigt er gleichzeitig ebenfalls nur eine Seite in sehr polarisierender Art und Weise mit viel Drama. Am Ende darf man Netflix von den sozialen Medien nämlich nicht differenzieren, denn ist das Streamingportal ebenfalls genau das und möchte seine Zuschauer binden.

Es liegt an uns.

Am Ende liegt es in unserer Hand, wofür wir diese Plattformen nutzen und inwiefern wir uns von ihnen beeinflussen und manipulieren lassen. Wir sollten gemeinsam daran arbeiten, dass wir unsere eigene Zukunft individuell und positiv gestalten. In diesem Zuge helfen uns soziale Medien dabei, in den Austausch mit anderen zu treten sowie unsere Visionen und Ziele zu verbreiten und somit andere Menschen zu inspirieren. 

Aber wie soll man den sozialen Medien nun gegenüberstehen? Schließlich arbeiten wir bei Miss Germany unmittelbar und sehr intensiv mit den sozialen Medien und sind durch unsere Arbeit und unsere Community täglich mit den Vor- und Nachteilen eben jener konfrontiert. Die Reportage ist wichtig – ganz klar. Sie zeigt in einer dramatischen Art und Weise die negativen Seiten und Folgen der sozialen Medien. Sie ruft zum Hinterfragen und Nachdenken auf. Außerdem fordert sie eine Regulation der Plattformen und ethische Standards im Umgang mit den Medien. Standards müssen festgelegt werden, damit Datenmissbrauch verhindert wird – das ist selbstverständlich. 

Gleichzeitig sollten wir uns vor Augen führen, welches Potential wir durch die sozialen Medien erhalten haben. Die Vernetzung untereinander ist nur eines der vielen Vorteile. Ein kritisches und reflektiertes Verhalten im Umgang mit den sozialen Medien ist in jedem Fall förderlich. Eine subjektive Meinung und Wahrnehmung und das gleichzeitige Reflektieren des eigenen Nutzerverhaltens ist hierbei besonders wichtig, um die negativen Seiten, die in dem Doku-Drama aufgezeigt wurden, zu unterbinden.

Was Facebook dazu sagt.

Auch Facebook Inc. ließ die Veröffentlichung natürlich nicht ungeachtet und publizierte hierzu ein Statement, in der Facebook auf die 7 Kern-Thesen einging. Facebook wies zum Beispiel die im Film dargestellten Anschuldigungen eines Verkaufs der Daten und eines Designs, das die Userinnen und User süchtig macht, von sich. Stark kritisiert Facebook außerdem, dass lediglich ehemalige Mitarbeiter interviewt wurden. Es seien Insider befragt worden, die seit Jahren keine Insights mehr in das Geschehen von Facebook haben. Facebooks News-Feed-Projektteams haben den Feed insofern weiterentwickelt, dass den Rezipienten ein Mehrwert geboten wird. Sinnvolle Interaktionen werden derweil priorisiert und konnten so eine Verringerung der Facebook-Nutzung bei den Rezipienten hervorrufen. In Hinblick auf die Datensammlung hat Facebook neueste Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Userinnen und User können selbst entscheiden, wie die Daten verwaltet werden sollen. In Sachen Datenschutzverpflichtung arbeiten eine Vielzahl von Mitarbeitern in diesem Aufgabenbereich, um den Datenschutz zu gewährleisten. Aber auch viele andere Punkte sind der Stellungnahme von Facebook zu entnehmen. (Facebook, 2020)

Zur Stellungnahme geht es hier:

Facebook-Stellungnahme
Mehr Bewusstsein im Umgang miteinander

Mit Miss Germany wollen wir nachhaltige Inhalte mit echtem Mehrwert schaffen, um gemeinsam für eine Sache einzustehen: Female Empowerment. Auch in den sozialen Medien finden wir dafür Gehör und wollen damit unserer Community etwas zurückgeben. Wir haben eine Gemeinschaft aufgebaut, die wir mit wertvollem Content bereichern und inspirieren. Sei es über unser Instagram, Facebook, YouTube oder auch unseren Podcast T HOCH 6 – wir stellen Frauen in den Vordergrund, die etwas zu sagen haben und wollen eine Plattform für herausragende und starke Frauen schaffen. 

Wir wollen inspirieren und eine Plattform des gemeinsamen Austausches sein. Wir wollen Medien dazu nutzen, um positiven Wandel zu bezwecken.

Unser Fazit.

Es ist wichtig, dass es eine solche Reportage gibt, die zum Nachdenken und zu einem bewussten Umgang anregt. Es ist auch wichtig, dass die negativen Seiten beleuchtet werden, damit ein gesellschaftliches Wachrütteln der Unwissenden stattfindet und es ist auch wichtig, soziale Medien reflektiert zu nutzen. 

In der Netflix-Reportage gibt es ein Zitat, welches den teilweise problematischen Umgang mit sozialen Medien versinnbildlicht: „Checkst du dein Smartphone, bevor du morgens pinkelst, oder während du pinkelst. Das sind die einzigen zwei Möglichkeiten.“ 

Es ist aber auch wichtig, nicht zu vergessen, bei wem am Ende die eigentliche Entscheidung und damit die Macht liegt – und das sind die Verbraucher. Jeder kann eigenständig entscheiden, wie welche Medien genutzt werden. 

Lasst uns die sozialen Medien, in denen wir alle die Hauptakteure sind, nutzen, um Positives zu vermitteln und zu bewirken. Lasst uns positiver Wandel und eine Gemeinschaft sein.

Es liegt in jeder einzelnen Hand und vor allem auch in deiner, wie du mit den sozialen Medien umgehst und sie nutzt. Setze deiner Bildschirmzeit ein Limit, höre dir auch Meinungen anderer ohne Vorurteile an, und abonniere Kanäle, derer Meinung du nicht zwingend teilst, um deinen Horizont zu erweitern und prüfe die Beiträge, die du in deinem persönlichen Feed angezeigt bekommst.

Es liegt an uns. Lasst uns unsere gemeinsame Stärke in positiver Art und Weise nutzen und eine echte Gemeinschaft sein, die sich umeinander sorgt.

 

Habt ihr den Film bereits gesehen? Wie denkt ihr darüber?

 

Autoren: Max Klemmer, Mona Maciejewski & Andre Padecken

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Quellen: 

Rhodes, L. (Produzent) & Orlowski, J. (Regisseur). 2020. The Social Dilemma (dt. Das Dilemma mit den sozialen Medien). USA: Netflix Original.

Facebook. (2020). What ‘The Social Dilemma’ Gets Wrong. https://about.fb.com/wp-content/uploads/2020/10/What-The-Social-Dilemma-Gets-Wrong.pdf

Foto:

© Fabian Kirchner (https://www.instagram.com/fabiankirchner)

 

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