Top 40 Kandidatin Lauren Kaczmarcyk

LAURÉN

Niedersachsen selflove, creativity

Hallo Ihr Lieben, mein Name ist Laurén, ich bin 22 Jahre alt und wohne im überschaubaren Bad Nenndorf bei Hannover. Hier mache ich grade im letzten Semester meine Ausbildung zur Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. Ich liebe die Musik und es selber aktiv Musik zu machen. Ich würde mich als eine sportliche, ehrgeizige und sehr direkte Person beschreiben. Ich trage wortwörtlich mein Herz auf der Zunge und sage immer straight away was ich denke. In meiner Berufsausbildung lernte ich wie ich meine Stimme richtig einzusetzen habe und anderen damit zu helfen. Bei Miss Germany 2022/23 will ich genau diese Stimme nutzen. Ich muss an der Stelle gestehen, dass mir der Entschluss an der diesjährigen Staffel teilzunehmen nicht leicht gefallen ist, da sich das Thema, was zugleich auch meine Mission abbildet, ehrlicherweise in den letzten zwei Jahren für mich sehr erübrigt hat. Ich stehe bei Miss Germany 2022/23 für Wandel und eine diverse, freie Gesellschaft. Und ist es nicht unser Aller sehnlichstes Anliegen in unserem Tun und Handeln so frei wie möglich zu sein?

Der Grund warum ich diese Werte vertrete ist, dass ich mich selbst einst sehr eingeschränkt in meinem Sein gefühlt habe. Und das war damals das schlimmste Gefühl, welches ich je hatte. Ich bin transgender und habe im Laufe der letzten Jahre gemerkt, dass das Geschlecht, welches mir bei meiner Geburt zugeordnet wurde, nicht mit meinem geschlechtlichen Empfinden übereinstimmte. Dies wurde durch eine medizinische und psychologische Diagnose gesichert. Seither lebe ich mit der Diagnose Geschlechtsdysphorie. Und auch wenn sich das Wort „Diagnose“ eher immer negativ anhört, hat sich mein Leben seither auf allen Ebenen zum Positiven gewandelt. Meine Mission bei Miss Germany 2022/23 ist eher weniger Aufklärungsarbeit über die trans*-Thematik zu leisten. Wie ich finde sind wir über diesen Punkt bereits hinaus, da wir in einer Zeit leben, in der sich Medien und Politik in einem Ausmaß über das Thema Diversität, Sexualität und Geschlechtsidentität kursieren, in welchem es noch vor ein paar Jahren nicht denkbar gewesen wäre… Nein, ich finde unsere Gesellschaft ist längst an dem Punkt der Aufklärung über diese Thematik angekommen. Für mich war es grade auch aus diesem Grund eine Überwindung mich bei Miss Germany anzumelden. Da ich wusste, wenn ich dies tun werde, wird sich der Fokus bei mir als Person nicht mehr nur auf mein Menschsein legen, sondern primär auf die Tatsache, dass ich trans bin. Wir leben mittlerweile in einer Welt, in der das Thema so überbeworben und vermehrt thematisiert ist, sodass ich mir die Frage stellen musste: Ist das das eigentliche Ziel? Das wir, als Trans*-Community aber auch als gesamte LGBTQ-Community, immer wieder in den Mittelpunkt hervorgehoben werden, wo die ursprüngliche Intention der ersten Demonstration im Stonewall Inn der Protest und Aufmarsch gegen diskriminierende Handlungen der Polizei und der gesetzlichen Verfassung gegen queere Menschen war. Und damit das unbefriedigte Bedürfnis nach einem Leben in Frieden und Freiheit.

Meine Mission bei Miss Germany, ist es also nicht die Thematik aufzuklären oder zu bewerben. Viel mehr liegt mein Wunsch darin, und es mag utopisch klingen, eine Zukunft, zu schaffen in der wir uns in erster Linie als Menschen begegne, ohne Betracht unserer Geschlechtsidentität oder unserer sexuellen Orientierung. Denn letztendlich macht das für mich eine freie, diverse Gesellschaft aus. Irgendwann würde ich mir wünschen mit einem Fremden sprechen zu können und einfach nur zu sagen „Hi, ich bin Laurén!“ Und er antwortet: „Hi Laurén, freut mich Dich kennen zu lernen.“ Und dann gehen wir was trinken.

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