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Was macht die Kandidatinnen aus?

Wer nicht in der Fangemeinde von Misswahlen unterwegs ist, hat nicht unbedingt ein Bewusstsein darüber, dass diese Wettbewerbe noch immer existieren. Für viele sind die Events nur etwas, das sie aus Filmen wie Miss Undercover kennen. Dort werden sie meist als oberflächlich parodiert und daher im Alltag wenig ernst genommen.

Aber auch 2022 gibt es noch Miss Wahlen, wie die zur Miss Germany. Und die Profile der diesjährigen Top 11 zeigen, dass man die Kandidatinnen mehr als ernst nehmen sollte. Sie stehen, unter anderem, für soziales Engagement und Feminismus. Was macht eine Misswahl und ihre Kandidatinnen heute aus?

Die Miss Germany Wahl damals und heute

Der erste Schönheitswettbewerb mit dem Titel Miss Germany hat bereits 1927 stattgefunden. Damals war der Begriff allerdings noch nicht geschützt und durfte deshalb von mehreren Veranstaltern durchgeführt werden.

Erst in den 1950ern hat sich das Feinstrumpfwerk Opal die Lizenzen an mehreren Schönheitswettbewerben, wie der Miss Europe, World und Universe, gesichert. Da die Gewinner anderer Miss Germany Wahlen ihre Siegerinnen nicht auf internationale Wettbewerbe schicken konnten, verloren die Konkurrenzanbieter schnell an Beliebtheit.

Der letzte Miss Germany Wettbewerb fand 2022 statt und ernannte Domitila Barros zur Gewinnerin. In diesem Jahr gab es das erste Mal keine Notwendigkeit, dass zuerst einzelne Bundesländer ein Ausschlussverfahren machen mussten und die Siegerinnen an der Wahl zur deutschlandweiten „Beauty-Queen“ teilgenommen haben. Teilnehmerinnen aus allen Bundesländern konnten sich direkt bewerben.

Neue Werte bei Miss Germany

Da Schönheitswettbewerbe mit dem Aufkommen von Feminismus und anderen sozialpolitischen Themen immer wieder als oberflächlich unter Kritik geraten sind, haben sich die Abläufe und Werte der Veranstaltungen heute gewandelt.

2020 hat der Organisator, Max Klemmer, bekanntgegeben, dass die Miss Germany Wahl kein Schönheitswettbewerb mehr sei. Heute geht es darum, ein Vorbild und eine Identifikationsfigur für Frauen in Deutschland zu finden. Es gibt einen höheren Fokus auf innere Werte und Vielfalt. Das hat man auch an dem ersten Platz im selben Jahr gesehen, der das erste Mal von einer 35-jährigen Frau und Mutter eingenommen wurde.

Auf der Webseite des Wettbewerbs stellen sich die Kandidatinnen vor. Dort erzählen sie von ihrer Geschichte, ihren Interessen und Werten und sprechen immer häufiger auch ernste Themen an. Ein paar Dinge tauchen dabei immer wieder auf:

Erlebnisse

Die Kandidatinnen legen viel Wert darauf, immer wieder neue Dinge zu sehen und Neues zu lernen. Reisen stehen ganz oben auf der Liste. Thyra Lee Goes verschlägt es dabei zum Beispiel an die Nordsee (Holidu.de/ferienwohnungen-orte/deutschland/nordsee). Andere stammen dafür bereits aus aller Welt, wie die diesjährige Gewinnerin Domitila (Brasilien).

Beruflicher Erfolg

Die Teilnehmerinnen stehen zu ihrem beruflichen Erfolg und dem Drive, der dahintersteckt. Sie sind gut ausgebildet, starten ihre eigenen Projekte, haben eine Musik-Karriere und vieles mehr. Dabei geben sie häufig an, dass es ihnen besonders wichtig ist, mit ihrem Erfolg auch anderen Frauen zu zeigen, was sie erreichen können.

Soziale Arbeit

Soziales Engagement wird bei der Miss Germany großgeschrieben. Domitila Barros, beispielsweise, stammt selbst aus einem armen Viertel und arbeitet seit ihrer Kindheit an dem Straßenkinderprojekt ihrer Eltern mit. Dort bringt sie Kindern Lesen und Schreiben bei, aber zeigt ihnen auch den Wert von Tanz und Schauspiel.

In diesem Rahmen ist sie sogar der UNESCO aufgefallen und mit dem Millennium Dreamer Award ausgezeichnet. Dieser Preis ehrt junge Menschen, die durch ihr soziales Engagement einen Unterschied machen.

Gesundheit und Traumata

Die Kandidatinnen der Miss Germany Wahl distanzieren sich von dem Kritikpunkt der Oberflächlichkeit, indem sie diese Plattform nutzen, um wichtige Themen anzusprechen. Dabei geht es um ihre psychische Gesundheit, Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch, Bodyshaming und vieles mehr.

Ein Beispiel ist die diesjährige Teilnehmerin Gina aus Nordrhein-Westfalen. Sie hat den Spitznamen Einarmige Prinzessin, da sie 2019 als Beifahrerin in einem Motorradunfall ihren linken Arm verloren hat.

Sexualität und Gender

Auch andere gesellschaftliche Tabus und Konfliktthemen werden angesprochen. Die Kandidatinnen sprechen offen über ihre Sexualität und Identität. Gadou aus Niedersachsen ist dabei als Transfrau ganz natürlich Teil der Gruppe, die ihre Identität auf dieser Plattform dennoch zum Thema macht und die Gelegenheit nutzen möchte, ein Zeichen für Respekt, Toleranz und Diversity zu setzen.

Umweltschutz

Neben sozialen Themen ist auch der Umweltschutz vielen Teilnehmerinnen wichtig. Sie sprechen nicht nur aus, wie wichtig Nachhaltigkeit und Co. sind. Viele von ihnen integrieren diese Werte auch in ihren Job.

Das Modelabel von Domitila Barros ist gezielt nachhaltig. Das Gleiche gilt für Zoë aus Baden-Württemberg, die dabei das Projekt Waters ins Leben gerufen hat, bei dem es gezielt um nachhaltiges Modedesign und den Schutz unseres Planeten geht. Sie hat eine Kollektion entworfen, bei der nur recycelte Materialien und Reststoffe genutzt werden, und kein Material von ihnen gekauft oder für sie produziert wurde.

Fazit

Die Worte des Organisators der Miss Germany Wahlen, Max Klemmer, haben sich als wahr bewiesen. Der ehemalige Schönheitswettbewerb ist heute immer mehr eine Plattform, um Frauen in Deutschland und auf der ganzen Welt starke, weibliche Vorbilder zu geben. Hier geht es um innere Werte und ein Feiern der Diversität. Den heutigen Kandidatinnen geht es darum, vieles zu lernen und anderen Menschen sowie unserem Planeten zu helfen. 

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