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In Zeiten, in denen das „Gendern“ viel diskutiert wird und die Grenzen zwischen den Geschlechtern zunehmend verfließen, stellt sich auch die Frage nach der Freizeitgestaltung. Bislang wurde nämlich in vielen Bereichen unterschieden zwischen „männlichen“ und „weiblichen“ Hobbys. Wer gegen diese ungeschriebene Grundregel verstieß, musste gegen Vorurteile ankämpfen. Ganz gemäß des neuen „Empowering Authentic Women“-Mottos bei Miss Germany haben die Teilnehmerinnen aber immer mehr männliche Hobbys, die eben nicht nur aus tanzen, Make-up oder nähen bestehen. Plötzlich nahmen Frauen mit einem Master als „Technical Physician“, Software-Entwicklerinnen und Motocross-Fahrerinnen am Wettbewerb im Jahr 2020 teil.

Von „männlichen“ und „weiblichen“ Hobbys

Dieser Trend, dass Frauen immer mehr in eigentlich „männliche“ Bereiche vordringen, sei es im Berufs- oder Privatleben, zeichnet sich aber längst nicht nur bei Miss Germany ab. Stattdessen macht sich eine zunehmende Anzahl an Frauen frei von Stereotypen und achtet bei der Wahl ihrer Hobbys ausschließlich auf den Spaßfaktor. Ob sie schlussendlich die einzige Frau im Kletterteam, auf der Motocross-Strecke & Co ist oder nicht, ist für sie dabei irrelevant. Einige Männer mögen sich von diesem „Eindringen“ der Frauen in ihren Hoheitsbereich jedoch gestört fühlen. Obwohl sich die moderne Gesellschaft also liberal präsentiert, vor allem beim Thema „Gendern“, ist die Gleichheit im Alltag noch nicht überall angekommen. Das spiegelt sich einerseits im Gender-Pay-Gap wider, andererseits werden Frauen auch im Privatleben noch oft mit dem Vorurteil konfrontiert: Ein männliches Hobby als Frau? Das geht nicht!

Geschlechter und ihre „typischen“ Hobbys verändern sich

Für Männer, für Frauen oder für alle Geschlechter geeignet – wer trifft überhaupt diese Einteilung, fragen sich viele betroffene Frauen, die sich in der Wahl ihrer Hobbys eingeschränkt fühlen. Tatsächlich sind solche Stereotypen gesellschaftlich und geschichtlich gewachsen. Was heute noch als „weiblich“ oder „männlich“ erachtet wird, basiert auf längst veralteten Rollenbildern aus den vergangenen Jahrhunderten. Vor allem in den letzten Jahrzehnten hat sich diesbezüglich aber vieles getan. Immer mehr rückt der Fokus im 21. Jahrhundert auf die Uneindeutigkeiten der Geschlechterzuordnung. Was männlich sei und was weiblich, wird neu verhandelt.

Ebenso begrenzen sich die Geschlechterverhältnisse nicht mehr auf diese beiden Zuordnungen, sondern auch eine dritte Personenstandskategorie namens „divers“ festigt sich zunehmend. Durchaus wird also auch die Einteilung von Hobbys, die als männlich oder weiblich gelten, zunehmend verschwinden. Zwar darf nicht erwartet werden, dass eine solche Entwicklung über Nacht geschieht. In dieser Entwicklung sind es aber vor allem die Frauen, die sich über typische Geschlechterrollen hinwegsetzen, die besonders wertvoll sind und als Treiber fungieren. Das gilt bei den Hobbys ebenso wie in vielen anderen Lebensbereichen.

Der Frauenfußball zeigt Chancen und Probleme auf

Bei einigen, ursprünglich als männlich erachteten, Hobbys haben diese Frauen bereits ein Umdenken gebracht. Dort sind Frauen also nicht nur anerkannt, sondern haben mittlerweile sogar eigene Wettbewerbe. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Fußball. Lange Zeit war dieser Sport stark männerdominiert. Das ist zwar nach wie vor der Fall, allerdings mit steigender Tendenz. Mittlerweile gibt es nicht nur eigene Mannschaften und Wettbewerbe für Frauen, sondern der Sport wird zunehmend professionalisiert. Internationale Turniere werden im Fernsehen übertragen, es gibt eine steigende Anzahl an Profispielerinnen und es werden stetig neue Wettbewerbe ins Leben gerufen – sozusagen als Pendant zu den Turnieren der Männer.

So gibt es mittlerweile im Frauenfußball zum Beispiel eine Welt- und eine Europameisterschaft, aber auch eine eigene Champions League. Mit ihrem Start in der Saison 2001/2002 kann diese zwar nicht mit der langen Geschichte der Champions League der Männer mithalten, erfreut sich aber trotzdem steigender Beliebtheit, und zwar nicht nur unter den Spielerinnen, sondern auch unter den Zuschauern. Dazu gehören längst nicht nur andere Frauen, denn immer mehr Männer verfolgen die Spiele der Frauen oft und gerne ebenfalls live oder im Fernsehen. Trotzdem sind die Einschaltquoten noch weit entfernt von jenen der Männermannschaften, und ebenso die Gehälter – doch ein Umdenken lässt sich definitiv erkennen. Der Frauenfußball ist somit das beste Exempel, um zu zeigen, wo die Chancen aber auch Probleme für Frauen in „männlichen“ Hobbys liegen.

Diese Hobbys werden bei Frauen immer beliebter

Es gibt aber noch viele weitere Beispiele für Hobbys, in denen immer mehr Frauen Einzug halten – obwohl diese eigentlich als reine Männersache erachtet werden. Da wäre das Gaming. Fast die Hälfte der Spieler sind weiblich, sprich viele Frauen verbringen ihre Freizeit gerne mit dem „Zocken“ und wählen dabei auch Spiele abseits der weiblichen Stereotypen. Sie kämpfen sich ebenfalls mit Waffen durch eine Fantasy-Welt, verteidigen sich gegen Zombies oder treten in „FIFA“ gegeneinander an. Wenig verwunderlich ist daher, dass in der wachsenden E-Sports-Branche ebenfalls immer mehr Frauen zu den Top-Spielern gehören. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie auch hier unterrepräsentiert sind und sich ein Wandel nur langsam abzeichnet. Selbiges lässt sich in vielen weiteren männerdominierten Sportarten beobachten, zumindest im professionellen Bereich. Das hält uns Frauen aber nicht davon ab, eben doch mit einem männlichen Hobby zu beginnen, sei es

  • Motocross,
  • Bodybuilding,
  • Heimwerken,
  • Klettern,
  • Grillen oder
  • das Schrauben am Auto.

Damit ist die Liste an Beispielen noch lange nicht zu Ende. Allerdings führt die zunehmende Anzahl an Frauen nicht nur beim Sportklettern dazu, dass ein regelrechter Kampf zwischen den Geschlechtern entsteht. Ein Wettkampf sozusagen, welches Geschlecht besser im jeweiligen Hobby ist, was vor allem – aber nicht nur – beim Sport zum Tragen kommt. Es scheint daher beinahe so, als würden sich einige Männer von den Frauen angegriffen fühlen, wenn diese dieselben, eben als männlich erachteten Hobbys wählen.

Was denken die Männer zum Thema?

Durchaus mag es also auch eine Frage des männlichen Egos sein, dass sie manche Sportarten für sich beanspruchen. Das trifft natürlich längst nicht auf alle Männer zu, jedoch kommt dieser Effekt bei Frauen meistens weniger zum Tragen, wenn Männer sich für ihre, eigentlich „weiblichen“ Hobbys entscheiden. Es ist daher interessant, einmal zu hinterfragen, wie Männer die Tatsache empfinden, dass eine Frau dasselbe Hobby hat wie sie selbst?

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Wenn sie gefragt werden, welche Hobbys sie bei Frauen attraktiv finden, antworten viele Männer nach wie vor mit den klassischen Stereotypen: Sexy sei demnach eine Frau, die kocht, Musik spielt, Aerobic macht, liest oder sich für Kultur begeistert. Doch in den Umfragen finden sich durchaus auch männliche Hobbys, beispielsweise das Heimwerken oder das Surfen. Sogar das Fallschirmspringen, das Fußballspielen und das Gaming werden konkret genannt. Obwohl es also Männer gibt, die aus dem Eindringen der Frauen in ihre typischen Hobbys einen Wettkampf machen, finden mindestens ebenso viele männliche Hobbys bei einer Frau attraktiv. Gerade dieser Wettkampf scheint ihnen Spaß zu machen und ist daher nicht per se als etwas Negatives zu begreifen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Frauen durchaus noch schräg angeschaut werden, wenn sie ein Hobby ausüben, das von der Gesellschaft als männlich erachtet wird. Dennoch verschwimmen die stereotypen Rollenklischees immer mehr und eröffnen für die Frauen den Weg in ganz neue Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Viele Männer sind damit nicht nur einverstanden, sondern finden das sogar attraktiv. Dennoch gibt es auch Männer, welche sich durch die steigende Anzahl an Frauen in ihrem Hobby „bedroht“ fühlen. Schlussendlich sollte das für die Frau jedoch keine Rolle spielen. Bei der Wahl der Hobbys geht es schließlich nicht darum, was Männer attraktiv finden, sondern was dir Spaß macht. Und wenn es sich dabei eben um ein angeblich männliches Hobby handelt, ist das umso besser, denn so treibst du den Kampf gegen die veralteten Geschlechterrollen voran. Dennoch musst du mit gewissen Nachteilen rechnen, vor allem, wenn das Hobby professionell(er) ausgeübt werden oder sogar zum Beruf werden soll. Umso wichtiger ist es, weiterhin gegen diese Hürden zu kämpfen, damit im Sport, Gaming & Co eines Tages von einer tatsächlichen Gleichheit gesprochen werden kann.

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