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Ein Land voller Kontraste

Das Leben in Namibia ist geprägt von Gegensätzen. Brennend heiße Wüstenlandschaft, die in den eisigen Atlantik fällt, weite, offene Straßen, die alle 500 km eine komplett neue Landschaft herantragen und Menschen, die unbeschreiblich abgeschreckt und zäh sind, doch gleichzeitig so großherzig und warm, wie selten ein Volk.

Ich bin mit diesen großen Kontrasten ausgewachsen. Sie waren für mich keine Abnormität, kein einzigartiges Urlaubserlebnis. Mich prägt der Purismus und die Kreativität des Überlebens heute noch genau so sehr wie es meine Vorfahren wohl bewegt haben muss, als sie sich dazu entschlossen haben, die gesellschaftlichen Strukturen Deutschlands hinter sich zu lassen und mit Sack und Pack in eine ungewisse, wilde Zukunft zu ziehen. In Namibia gilt, wer überleben will, muss anpacken. Es ist kein gemütliches Land und doch haben die Namibier eine tiefenentspannte Art, die den Deutschen eher fremd ist. Im Temperament kommen wir den Südländern nahe. Wir haben Temperament und scheuen nicht davor, es auszuleben. In Namibia ist jeder ein Stück Cowboy oder -girl! Weil es in Namibia zwar viele Rohstoffe, aber wenig Ressourcen gibt, bedeutet dies, dass alle anpacken müssen, um zu Überleben. Die Gesellschaft ist eher konservativ gesonnen. Durch die wilde Durchwürfelung von Stämmen und Kulturen (in Namibia gibt es neun Nationalsprachen!) kann man allerdings auch nicht alles über einen Kamm ziehen. Durch die große Präsenz an Missionaren am Anfang des 20ten Jahrhunderts ist die überwiegende Religion eine traditionelle Interpretation des Evangeliums.

Die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist somit stark durch traditionelle Werte geprägt und doch sind die Frauen in Namibia unverwüstlich. Frauen betreiben Farmen und fahren Pickups. Sie treiben Vieh auf dem Rücken der Pferde ein und impfen Kühe. Sie schuften neben ihren Männern in den Erdbaumienen bei 40 Grad im Schatten. Und vor allem sind es die Frauen, die durch ihr ausgeprägtes Verständnis für Überlebenstrategien sozial innovative Projekte starten, um die Zukunft des Landes für die nächste Generation fruchtbar zu machen. Ich bin ein Produkt einer solchen Frau, ich und meine drei älteren Schwestern. Wie sagt man? Unkraut vergeht nicht? In Namibia gedeiht zwar nur wenig Unkraut, aber „vergehen“ und sich vor großen Aufgaben zu drücken, ist keine Option für die Frauen aus Namibia.

 

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